Goldiges Berlin
oder Wie die Siebenkampfmannschaft der weiblichen Jugend A des TSV Bayer Leverkusen überraschend Gold gewann

Vergoldetes Berlin                                                 (CarminaRo-Bericht)

Berlin ist bekanntlich eine Reise wert - und wenn man dann noch eine Goldmedaille von dort mitnehmen kann, erst recht! Mit 14.109 Punkten konnten sich Jennifer Oeser, Floé Kühnert und Natascha Rother diesen Traum bei den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften am 30./31. August 2002 erfüllen. Doch bis dahin war es ein hartes Stück Arbeit.

Die 70 Punkte Abstand, die man am Ende zum TuS Jena (Patricia Polifka, Sylvia Krause und Tina Wallenhauer) hatte, lassen nämlich kaum noch erahnen, wie spannend der Zweikampf zwischen dem eigentlich favorisierten TuS Jena und dem TSV Bayer 04 Leverkusen um den Titel bei der A-Jugend wirklich war.

Nach der ersten Disziplin des Siebenkampfs - den 100 m Hürden - hatte der TuS Jena zunächst einmal 170 Punkte Vorsprung. Doch schon nach dem Hochsprung, der aus Sicht der Bayer-Mädels wesentlich besser klappte als die Hürden, hatte sich das Blatt gewendet, und nun lag der TSV mit 149 Punkten in Front.

Mit guten Leistungen im Kugelstoßen konnte dieser Vorsprung noch auf 202 Punkte ausgebaut werden. Doch die zweite Laufdisziplin und letzte Disziplin des ersten Tages lag wiederum den Jenaer Mädels besser, und schon war der Vorsprung auf 87 Punkte zusammengeschrumpft.

Mit einem bescheidenen Start in den zweiten Tag verloren die Bayer-Mädels im Weitsprung weiter an Boden und mußten nun Jena wieder den Vortritt lassen (44 Punkte). Auch im Speerwerfen konnten die Leverkusenerinnen ihre volle Stärke nicht ausspielen, konnten aber zumindest soviel Boden gutmachen, daß man praktisch mit Gleichstand (1 Punkt Vorsprung für Jena!) die letzte Disziplin, die 800 m, angehen konnte.



Spannender konnte der Abschluß also nicht sein! Im Klartext hieß das: die beste Leverkusener 800m-Läuferin musste etwas besser sein, als die beste von Jena, die zweitbeste etwas besser als die zweitbeste von Jena usw. oder aber, man wäre in der Summe aller 800m-Zeiten einfach besser als der Gegner. Da sich das aber nicht so überschauen läßt, mußte man praktisch im direkten Vergleich seine „Frau“ stehen.

Im ersten der drei Läufe liefen Caroline Dieckhöner, die vierte Leverkusenerin, und Tina Wallenhauer, die dritte Jenaerin. Caroline gewann diesen Lauf in 2:29 Minuten, und der deutliche Abstand von Tina ließ für sie eine Zeit von etwa 2:40 min. erahnen. Diese Zeit mußte von Floé Kühnert im zweiten Lauf getoppt werden. Ebenfalls im zweiten Lauf mußte Natascha Rother als an diesem Tag stärkste Läuferin des TSV die stärkste 800 m-Läuferin derJenaer, Sylvia Krause „in Schach halten“. Das gelang ihr überzeugend. Auf den letzten 200 m kratzte sie noch einmal ihre ganzen Kraftreserven zusammen und zog an Sylvia vorbei. In neuer Bestzeit von 2:23 min.nahm sie ihr sogar noch fast drei Sekunden - und damit wertvolle Punkte - ab. Auch Floé Kühnert hatte ihre Aufgabe - nämlich schneller als Tina Wallenhauer zu laufen - in 2:36 min gut gelöst und ebenfalls drei Sekunden gutgemacht..

Nun hing alles noch vom letzten Lauf, in dem Jennifer Oeser und Patricia Polifka antraten, ab. Jennifer, die in diesem Jahr schon eine 2:22 gelaufen war, war aufgrund einer Erkrankung, die sie - wie übrigens auch Floé Kühnert und viele andere - von den Jugendweltmeisteschaften aus Jamaika mitgebracht hatte, nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte, so daß man „nur“ mit einer Zeit um die 2:30 rechnen konnte. Eine ähnliche Zeit war auch Patricia Polifka zuzutrauen. Jennifer, die in der Einzelwertung ihre Titelambitionen nicht umsetzen konnte, gab alles, um „ihrer“ Mannschaft den Sieg zu ermöglichen. Immer wieder schaute sie sich nach Patricia um und ließ sie nicht an sich vorbei. Am Ende waren es 2:32,22 zu 2:32,36, also 14 Hundertstel, die sie an Vorsprung ins Ziel rettete. Zusammen mit den ca. 6 Sekunden, die man vorher schon gutgemacht hatte, gab das unter dem Strich die 70 Punkte, die den Sieg ausmachten.