Doppelmoral im Spitzensport


Daum als Anti-Drogenheld sportpolitisch verheerend

Der Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann hat im Zusammenfassung mit der  Drogenaffäre des Fußball-Trainers  Christoph Daum die Vorbildfunktion des  Sports angezweifelt. Der Sport in  Deutschland sei Spiegelbild einer aus den  Fugen geratenen  Wettbewerbsgesellschaft, sagte der  Wissenschaftler am Montag in Bielefeld.

Massiv kritisierte er die Äußerung des Managers von Bayer Leverkusen, Reiner  Calmund, der wegen angeblicher  Drogen-Probleme zurückgetretene frühere Bayer-Trainer Christoph Daum könne zu einem "nationalen Helden" in der  Drogenbekämpfung werden. Calmunds Auffassung sei "pädagogisch  unverantwortlich und sportpolitisch  verheerend". "Erst wird Daum aus dem  Traineramt gejagt, weil er als  drogengefährdet gilt, anschließend für die  öffentliche Aufklärung über Drogengefahren zum Vorbild erklärt",  meinte der an der Universität Bielefeld  lehrende Wissenschaftler.
Das sei der  Versuch, den kommerziellen Sport, der den Drogenkonsum seiner Akteure geradezu provoziere, moralisch  reinzuwaschen.

Eine Branche wie der  Berufsfußball sollte sich  endlich zu klaren  Prinzipien bekennen, das Sponsoring  durch Alkohol- und Pharmafirmen  ablehnen und einen ehrlichen Moralkodex  festlegen.

satirisches foto zur kokain-affaire um christoph daum

Kommerzieller Sport provoziert den Drogenkonsum seiner Akteure...

Nach Darstellung Hurrelmanns  wird heute im Sport «zynische  Doppelmoral« praktiziert: "Derjenige ist  der sportliche Held, der siegt, egal mit  welchen Mitteln - auch illegale sind  erlaubt, solange es keiner merkt." Der  Sieger werde gelobt und gefeiert - aber  nur solange, wie er es verstehe, das  illegale Doping geheim zu halten. Damit  habe der Sport seine Vorbildfunktion  verloren.
(dpa, 30.10.2000)ee